Projekt: Transformation vom Industrieort zur facettenreichen Stadt
Die Stadtgemeinde Radenthein feiert im Jahr 2025 das 30-jährige Jubiläum der Stadterhebung.
Zu diesem Anlass präsentiert das Kulturreferat vom 21. September 2025 bis 09. Januar 2026 eine Sonderausstellung, die den Wandel der Bergbaustadt zu einer facettenreichen Kleinstadt darstellt. Für die Umsetzung wurde ein leerstehendes Geschäftslokal im Zentrum von Radenthein für fünf Monate angemietet. Es ist eine Ausstellung entstanden, die mit Grafiken, Bildern, Videos und Exponaten die Entwicklung der Kleinstadt in den letzten 30 Jahren darstellt und ansprechend für jedes Alter sein soll. Um die Entwicklung von 30 Jahren Stadt Radenthein zusammenzufassen wird eine Broschüre erstellt, die den Schulen als Grundlage für den Unterricht und geschichtlich Interessierten zur Information dienen soll.
Es gibt Kooperationen mit den bestehenden Ausflugszielen Granatium in Radenthein und Sagamundo in Döbriach, die bereits charakteristische Themen der Stadtgemeinde Radenthein, wie den Bergbau (Granat und Magnesit) und die Bergmannszunft, historische Ereignisse, die die Region geprägt haben, wie zum Beispiel Geschichten zum Mirnock, Rosennock, Millstätter See und einem Lehrer, nachdem sogar eine Straße benannt wurde.
Zur Sammlung und Sichtung der historischen Dokumente für die Inhalte der Ausstellung und der Broschüre wurde in der Gemeindezeitung ein Aufruf zur Mitarbeit der Bevölkerung gemacht. Nach der Sondierung und Kategorisierung der Informationen der Zeitzeugen aus allen Lebens- und Wirkungsbereichen wurden in einer Arbeitsgruppe die Inhalte geclustert. Wichtig ist uns einerseits die Dokumentation der vielfältigen Geschichte des Ortes, sowie die Vermittlung der Botschaft, dass durch die Initiative und Zusammenarbeit der Bevölkerung ein lebenswerter Raum entstehen kann. Sichtbar soll der Einfluss der Vereine aus Kultur, Sport, Landwirtschaft und Wirtschaft für die Lebensqualität am Land sein.
Radenthein, eine charmante Stadt in Kärnten mit rund 5.700 Einwohnern, hat eine reiche Geschichte. Ursprünglich ein kleines Bauerndorf mit vielen Bergbauernhöfen erlebte Radenthein im 19. und 20. Jahrhundert einen wirtschaftlichen Aufschwung durch den Bergbau. Die Entdeckung von Magnesitvorkommen führte zur Gründung des Radentheiner Magnesitwerkes, das die Region prägte und Arbeitsplätze schuf. In den 70er und 80erJahren zählte das „Werk“ um die 2.000 Mitarbeiter. Der Vorstand des Industriebetriebes legte auch Wert auf die Finanzierung der Freizeit- und Bildungsinfrastruktur des Ortes. So wuchs die damalige Marktgemeinde auf über 7.000 Einwohner an und konnte vielfältige kulturelle und sportliche Möglichkeiten bieten, sowie ein großes Angebot von Geschäften und handwerklichen Betrieben. Parallel dazu entwickelte sich in den 1960er Jahren der Tourismus im Ortsteil Döbriach am Millstätter See zu einem zentralen Wirtschaftsfaktor. Die Stadt wuchs und entwickelte sich weiter, wobei sie ihren ländlichen Charme bewahrte.
Nach dem drastischen Abbau von Arbeitsplätzen im Magnesitwerk, sowie der Auslagerung von Abteilungen nach Leoben und Wien brach eine Abwanderungswelle über Radenthein herein. Diese Entwicklung, sowie der Trend zu Einkaufszentren im urbanen Umfeld führte zu einer Welle von Betriebsschließungen. Handwerks- und Handelsbetriebe, die traditionell über Generationen in Familienhand waren, hatten keine Nachfolger mehr. Zeitgleich änderte sich das Urlaubsverhalten des Gastes und Flugreisen wurden leistbar und interessant. Der Anspruch auf Quartiere in hoher Qualität stieg und durch die Globalisierung wuchs der Reisemarkt stetig . Somit sanken in den 1990 und 2000er Jahre die Übernachtungen auf ein historisches Tief. Zählte Radenthein in den 70er Jahren noch über 7.000 Einwohner, so konnten wir uns nach starken Verlusten bei 5.700 stabilisieren.
Im Jahr 1995 wurde Radenthein dennoch zur Stadt erhoben, um ihre zentrale Rolle als Wirtschafts- und Schulstandort im Raum der Nockberge zu honorieren. Nach den Jahren der Schockstarre und folgender Resignation der Unternehmer und der Bevölkerung erholte sich die „junge Stadt“ schön langsam.
Der Zusammenhalt der Radentheiner Gewerbebetriebe und die Initiative für gemeinsame Veranstaltungen haben wesentlich zur Erhaltung der Innenstadt beigetragen. Die Tourismusbetriebe lernten miteinander zu arbeiten und durch Kooperationen stärker zu werden. Die Ausstellung soll das Bewusstsein für die Wichtigkeit des Miteinanders schärfen.
Neben der landschaftlichen Schönheit sind der Erhalt der vielfältigen Schul- und Bildungsstandorte und der sukzessive Ausbau der Kinderbetreuung heute ein Grund für den Zuzug. Leistbares Wohnen durch rund 300 „öffentlich geförderte Wohnungen“ und Baugründe für Jungfamilien stehen den Gemeindebürgern zur Verfügung. Die Gründung des Vereins Vitamin R mit Beratungs- Bildungs- und Eltern-Kind-Zentrum hilft kostenlos allen Menschen in besonderen Lebenslagen. Ein dichtes Netz an Ärzten und Therapeuten und das Seniorenpflegezentrum garantieren die medizinische Versorgung.
Der Wandel nach anfänglicher Leere zu einer facettenreichen Kleinstadt mit Tourismus, Ausflugszielen, Kleinbetrieben, Landwirtschaft und dem Erhalt von fast 60 Vereinen aus Sport und Kultur, sowie die Gründung der Stadtjugend als sichtbares Zeichen des Aufschwungs soll den Besuchern näher gebracht werden.
Die Ausstellung zeigt den gesellschaftlichen und demographischen Wandel auf und soll Mutmachen, dass jede Initiative von Gemeinde, Vereinen und Privatpersonen ein Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität im öffentlichen Raum ist. Der heranwachsenden Generation soll bewusst gemacht werden, dass die globale Entwicklung Auswirkungen im kleinsten Dorf hat und man sich den Lebensraum selbst gestalten kann und muss. Unter dem Motto: „Wer sein Brot im Internet bestellt, braucht sich nicht wundern, warum die Innenstadt stirbt.“
Die Ausstellung ist kostenlos zugänglich und von Donnerstag-Sonntag von 14:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.
Die Broschüre wird kostenlos verteilt.
Nach Ende der Ausstellung werden die Exponate für mindestens 5 weitere Jahre öffentlich zugänglich bleiben und auf die Standorte – Rathaus Radenthein, Granatium Radenthein und Sagamundo Döbriach verteilt.
Die Umsetzung des Projektes „Transformation vom Industrieort zur facettenreichen Stadt“ wird gefördert durch Bund, Land und Europäischer Union im Rahmen des GAP-Strategieplans Österreich 2023-2027 (LEADER).

Zuletzt aktualisiert: 3. Oktober 2025
